Die Kirche von Jochberg mit dem verschneiten Dorf und dem bewaldeten Berghang im Nebel

Tirol · Kitzbüheler Alpen

Geschichte von Jochberg

Dreitausend Jahre

Vom Kupfererz zur Skipiste

Jochberg liegt auf 924 Metern Höhe im Tal der Jochberger Ache, zwischen Kitzbühel und dem Pass Thurn. Das langgezogene Dorf zählt gut 1.500 Einwohner und ist von Bergen bis 2.363 Meter (Gaisstein) umgeben. Wer heute durch das Tal fährt, sieht Wiesen, Bauernhöfe und Skilifte – doch die Geschichte von Jochberg beginnt unter der Erde.

Schon in der Bronzezeit, vor rund dreitausend Jahren, wurde rund um die Kelchalm Kupfer abgebaut und verhüttet. Damit gehört Jochberg zu den ältesten Bergbaugebieten Tirols. Im 15. Jahrhundert begann erneut der Abbau von kupfer- und silberhaltigem Erz in dem Gebiet, das später “Kupferplatte” genannt wurde. Jahrhundertelang prägten Bergleute und Hüttenarbeiter das Leben im Dorf; im Weiler Hütten wurde das Erz verarbeitet. 1875 wurde das letzte Kupfer geschmolzen, und am 31. Juli 1926 wurde das Bergwerk endgültig geschlossen.

Danach wurde Jochberg wieder, was es immer auch gewesen war: ein Bauerndorf. Bis 1959, als der erste Sessellift auf die Wagstätt eröffnet wurde und der Skitourismus begann. Seit 2013 bringt eine moderne Gondelbahn Skifahrer in wenigen Minuten ins Skigebiet von KitzSki.

Kolorierte Zeichnung aus dem Schwazer Bergbuch (1556): Bergleute in einer Tiroler Berglandschaft
Bergleute in den Tiroler BergenSchwazer Bergbuch, 1556 · gemeinfrei (Wikimedia Commons)
Zeichnung aus dem Schwazer Bergbuch (1556): ein Probierer an seinem Ofen
Der Probierer prüft das ErzSchwazer Bergbuch, 1556 · gemeinfrei (Wikimedia Commons)

Zeitleiste

Jochberg im Lauf der Jahrhunderte

  1. ca. 1000 v. Chr.
    Kupferbergbau in der Bronzezeit

    Rund um die Kelchalm wird Kupfererz abgebaut und in Schmelzöfen verarbeitet. Archäologen haben die Reste gefunden.

  2. 1073
    Erste Erwähnung

    Jochberg (“Johberg”) taucht in einer Urkunde im Namen Kaiser Heinrichs IV. auf – vermutlich eine spätere Fälschung aus dem 12. oder 13. Jahrhundert, aber das älteste Dokument, das den Ort nennt.

  3. 1275
    Grenzdorf

    Die Grenze zwischen dem Erzbistum Salzburg und Bayern verläuft bei Jochberg. Im 14. Jahrhundert gehört das Dorf zum Gericht Kitzbühel.

  4. 1447
    Kupfer und Silber

    Beginn des Abbaus von kupfer- und silberreichem Fahlerz in der späteren Kupferplatte.

  5. 1482
    Gasthof Schwarzer Adler

    Das Dorfgasthaus wird gebaut – und besteht bis heute.

  6. 1504
    Zu Tirol

    Mit dem Gericht Kitzbühel kommt Jochberg unter Kaiser Maximilian I. zu Tirol.

  7. 1505
    Wolfgangsbrunnen

    An der Quelle unterhalb der Kirche werden 99 Heilungen verzeichnet. Fast dreihundert Jahre lang kommen Pilger nach Jochberg.

  8. ca. 1600
    Erbstollen zum Heiligen Geist

    Ein neuer Hauptstollen erschließt die Erzadern tiefer im Berg.

  9. 1750–1752
    Barockkirche

    Die Pfarrkirche zum Heiligen Wolfgang wird von Kassian Singer erbaut; Fresken und Stuck stammen von Simon Benedikt Faistenberger.

  10. 1762
    Eigenständiges Dorf

    Jochberg wird als eines der zehn Dörfer des Landgerichts Kitzbühel anerkannt.

  11. 1835
    Die Straße durchs Tal

    Bau der Straße Richtung Pass Thurn und Salzburger Land.

  12. 1875
    Letzte Schmelze

    In der Hütte bei Hütten wird zum letzten Mal Kupfer geschmolzen.

  13. 31. Juli 1926
    Ende des Bergbaus

    Nach fast fünf Jahrhunderten schließt die Kupferplatte endgültig.

  14. 6. Dezember 1959
    Erster Sessellift

    Der Wagstättlift geht in Betrieb: der Beginn des Skitourismus in Jochberg.

  15. 7. Dezember 2013
    Neue Wagstättbahn

    Eine 10er-Gondelbahn ersetzt den alten Lift und verbindet Jochberg direkt mit KitzSki.

  16. Heute
    Gut 1.500 Einwohner

    Ein ruhiges Bergdorf mit einem ehemaligen Bergwerk als Sehenswürdigkeit: das Schaubergwerk Kupferplatte und das Berg- und Heimatmuseum.

Zeichnung aus dem Schwazer Bergbuch (1556): zwei Männer waschen Erz unter einem Dach
Das Waschen des ErzesSchwazer Bergbuch, 1556 · gemeinfrei (Wikimedia Commons)
Zeichnung aus dem Schwazer Bergbuch (1556): Schmelzer an einem Ofen mit Blasebälgen
Schmelzhütte mit BlasebälgenSchwazer Bergbuch, 1556 · gemeinfrei (Wikimedia Commons)
Schwarz-Weiß-Foto von 1944: Kitzbühel mit dem Wilden Kaiser im Hintergrund
Kitzbühel mit dem Wilden Kaiser, 1944Foto: Willy Pragher · Landesarchiv Baden-Württemberg, Staatsarchiv Freiburg W 134 · CC BY 4.0

Schon gewusst?

Kuriose Fakten über Jochberg

3.000Jahre

So lange ist es her, dass rund um die Kelchalm Kupfer abgebaut wurde: Jochberg zählt zu den ältesten Bergbaugebieten Tirols.

479Jahre Bergbau

Von 1447 bis zum 31. Juli 1926 wurde in der Kupferplatte Kupfer- und Silbererz abgebaut.

1482Schwarzer Adler

Das Dorfgasthaus ist zehn Jahre älter als die Entdeckung Amerikas – und besteht bis heute.

99Heilungen

1505 wurden am Wolfgangsbrunnen unter der Kirche 99 wundersame Heilungen verzeichnet.

1073„gefälscht”

Die älteste Urkunde mit dem Namen Jochberg ist wahrscheinlich eine mittelalterliche Fälschung.

400Meter tief

So hoch schwebt die 3S-Bahn über dem Saukasergraben zwischen Jochberg und Kitzbühel. Eine Kabine hat einen Glasboden.

85Meter

Der Sintersbacher Wasserfall stürzt 85 Meter tief in natürliche Becken, etwa eine Stunde zu Fuß vom Tal.

54Jahre und 1 Tag

Zwischen dem ersten Sessellift (6. Dezember 1959) und der neuen Wagstättbahn (7. Dezember 2013).

1.439Meter höher

Das Dorf liegt auf 924 Metern, der Gaisstein darüber reicht bis 2.363 Meter.

Selbst entdecken

Geschichte zum Besuchen

Der Eingang zum Schaubergwerk Kupferplatte in Jochberg, mit Grubenbahn
Eingang zum Schaubergwerk KupferplatteFoto: Ansgar Koreng · CC BY 3.0 DE

Schaubergwerk Kupferplatte

Mit Helm hinein in die alten Stollen: im Sommer können Sie das Kupfer- und Silberbergwerk besichtigen und sehen, wie die Bergleute über Jahrhunderte gearbeitet haben.

Pfarrkirche zum Heiligen Wolfgang

Die barocke Dorfkirche von 1752, mit ihrem Zwiebelturm das Wahrzeichen von Jochberg. Darunter liegt der alte Wolfgangsbrunnen.

Sintersbacher Wasserfall

Der Wasserfall stürzt 85 Meter in die Tiefe, etwa eine Stunde zu Fuß vom Parkplatz Schradlern. Am eindrucksvollsten im Frühling nach der Schneeschmelze.

Quellen: Wikipedia (Jochberg, Tirol), bergbaugemeinden.at, kitzbuehel.com.